Grenzüberschreitende Projekte

Im Januar 2020 begann für die AWO Oberlausitz und drei ihrer Kindertagesstätten das Projekt „Grenzregion mit Kinderaugen erkunden“, welches durch Mittel der Euroregion Neiße e. V. gefördert wird.
Die Kindertagesstätte „Kinderland“ in Großschönau kooperiert dabei mit der tschechischen Mateřská škola „Čtyřlístek“ (Kleeblatt) in Varnsdorf, mit der bereits seit vielen Jahren eine enge Zusammenarbeit besteht.

Die Einrichtung möchte das zweisprachige Aufwachsen in der grenznahen Region unterstützen. Die Kinder können durch das Projekt viel über unser Nachbarland erfahren und bekommen Einblicke in die Sitten, Bräuche und Feste. Die Sprachbarrieren sollen genommen werden, sodass die Kinder viel Freude daran haben, sich mit den anderen Kindern zu verständigen. Dafür wurde eine Sprachmittlerin in der Einrichtung für die Dauer des Projektes eingestellt. Sie begleitet die Kinder im Alltag mit der tschechischen Sprache und begleitet die Ausflüge. Auch Studentinnen, Praktikantinnen oder Eltern mit tschechischen Wurzeln waren schon als Sprachbegleitung in der Einrichtung.

Die teilnehmenden Kinder im Projekt sind derzeit im Alter von 5 bis 7 Jahren. Unser Ziel ist es, dass die Kinder das Projekt bis zur Einschulung begleiten können und dadurch die Sprache besser gefestigt wird.
Für die Vorschulkinder ist eine Grundkenntnis der tschechischen Sprache erwünscht. Dazu zählen Begrüßung, Höflichkeitsformen, Zahlen, Farben und auch, dass die Kinder äußern können, was sie wünschen und sich nicht scheuen, mit den anders sprechenden Kindern gemeinsam etwas zu tun.

Unsere Einrichtung hat bereits Erfahrungen mit grenzüberschreitenden Projekten. Die positiven Erfahrungen daraus haben dazu motiviert, erneut ein solches Projekt zu starten.

Die Kinder begegnen sich monatlich. Die Treffen finden immer abwechselnd in Tschechien oder in Deutschland statt und werden durch die Kindertagesstätte des jeweiligen Landes vorbereitet. Es wird sich dabei in den Einrichtungen getroffen oder Ausflüge im jeweiligen Land unternommen. Die Kinder machen gemeinsam Sport, gemeinsame Spiele und unternehmen Ausflüge und lernen damit das Nachbarland besser kennen. So lernen sie auch Lieder und Spiele des anderen Landes und sich in der anderen Sprache zu verständigen.

Aufgrund der aktuellen Situation (Corona) finden derzeit keine gemeinsamen Aktivitäten statt.

 

Schlittschuhlaufen in der Eishalle Jonsdorf – 03.03.2020

Für das zweite Treffen in diesem Jahr wurden die Großschönauer Kinder von einem bei der KVG Zittau gemieteten Bus abgeholt. Anschließend holten sie die Kinder in Varnsdorf ab, und gemeinsam fuhren sie zur Eishalle nach Jonsdorf. Dort liehen sich Kinder, die brauchten, Schlittschuhe aus, denn es ist eine große Auswahl vorhanden. Helme hatten die Kinder von Zuhause mitgebracht.

Dass das Nachbarland eine Eishockey-Nation ist, zeigte sich gleich zu Beginn: Die Varnsdorfer Kinder hatten durchweg alle eigene Schlittschuhe. Und dass sie regelmäßig in Varnsdorf Schlittschuhlaufen gehen, war augenscheinlich: Sie benötigten keine Schiebestangen mehr, sondern drehten gleich ihre Runden frei. Da konnten wir uns etwas „abgucken“. Doch auch die Großschönauer Kinder entwickelten ihre Motorik innerhalb der eineinhalb Stunden auf dem Eis zusehends: Nachdem sie das Eis mit den Schlittschuhen erkundet hatten, wuchs der Mut, sich darauf zu bewegen, und die Bewegungen wurden immer flüssiger. Es war zu sehen, wer bereits Schlittschuh gelaufen ist oder wer Inliner fährt. Manch Kind zeigte Ehrgeiz, der bis dahin scheinbar im Verborgenen schlummerte. Sie pausierten nur kurz für einen warmen Tee und eine Stärkung bei Obst- und Gemüseschnitzen; danach ging es sofort wieder auf´s Eis.

Die tschechischen Kinder und ihre Erzieherinnen hatten sogar eine Kiste mit Material zu Trainingszwecken mitgebracht und absolvierten eine regelrechte Sportstunde auf dem Eis: Sie übten das kontrollierte Fallen und schnelle Aufstehen bei einer Form von „Feuer, Wasser, Sand“; sie fuhren in der Hocke, um Gegenstände aufzuheben; sie übten den „Antritt“, indem sie sich zu zweit über das Eis zogen und das Kontrollieren der Laufgeschwindigkeit, als sie durch ein schwingendes Seil fuhren. Sogar das Übersteigen des Seils während der Fahrt war Inhalt des Trainings. Ein mutiges Kind übersprang das etwas höher gehaltene Seil sogar. Da staunten wir.

Nach Ablauf der Eiszeit gab es noch mal eine Stärkung, bevor sich die Kinder der Schlittschuhe entledigten. Der Bus stand bereits vor der Eishalle und brachte die Großschönauer und Varnsdorfer Kinder wieder in ihre Einrichtungen zurück, wo sie sich mit geröteten Wangen und stolzer Brust auf das Mittagessen und die Mittagsruhe freuten.